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Klassische Musik und Oper von Classissima

Mariss Jansons

Freitag 28. April 2017


nmz - KIZ-Nachrichten

3. April

BR-Symphoniker verdoppeln mit Chefdirigent Jansons Abo-Zahlen

nmz - KIZ-Nachrichten München - Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hat seit Amtsantritt des Chefdirigenten Mariss Jansons die Zahl seiner Abonnenten zwar mehr als verdoppelt - seit der vergangenen Saison ist diese Zahl aber zurückgegangen. Sie sank von 10 286 auf 10 038, die Auslastung ging von 91 auf 87 Prozent zurück. Das ist aber immer noch ein vergleichsweise hohes Niveau: Bei Jansons Amtsantritt zur Saison 2003/04 zählte das Orchester nur 4589 Abonnenten. Um die Zahlen zu halten oder zu steigern, haben sich die Symphoniker etwas einfallen lassen. Sie wollen nun unter allen neuen Abonnenten ein Hauskonzert verlosen. Weiterlesen

nmz - neue musikzeitung

3. April

BR-Symphoniker verdoppeln mit Chefdirigent Jansons Abo-Zahlen

München - Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks hat seit Amtsantritt des Chefdirigenten Mariss Jansons die Zahl seiner Abonnenten zwar mehr als verdoppelt - seit der vergangenen Saison ist diese Zahl aber zurückgegangen. Sie sank von 10 286 auf 10 038, die Auslastung ging von 91 auf 87 Prozent zurück. Das ist aber immer noch ein vergleichsweise hohes Niveau: Bei Jansons Amtsantritt zur Saison 2003/04 zählte das Orchester nur 4589 Abonnenten. Um die Zahlen zu halten oder zu steigern, haben sich die Symphoniker etwas einfallen lassen. Sie wollen nun unter allen neuen Abonnenten ein Hauskonzert verlosen. Weiterlesen




Crescendo

22. November

Elīna Garanča: „Alles sehr gut“ - Elīna Garanča

Mit 40 Jahren, zwei Kindern und Engagements an den größten Opern- und Konzerthäusern der Welt steht kaum eine Sängerin besser da als Elīna Garanča. Ein Gespräch über das Leben und ihre Mutter und Lehrerin, die leider im vergangenen Jahr verstarb. crescendo: Frau Garanča, unlängst wurden Sie 40. „Mit 20 regiert der Wille“, sagt Amerikas Gründervater Benjamin Franklin … Elīna Garanča: Das stimmt! „… mit 30 der Verstand …“ EG: … Na ja! „… und mit 40 das Urteilsvermögen.“ EG: (lacht) Hoffentlich! Mit meiner Mutter, die vor einem Jahr starb, sprachen wir viel über den Sinn des Lebens. Ich sagte ihr, ich steuere auf die 40 und bald auch auf die 50 zu, die für eine Sängerin vielleicht nicht mehr so toll sind. Sie sagte nur: Das Beste kommt noch. Irgendwie hatte sie Recht. Ich bin jetzt 20 Jahre auf der Bühne und kann das Leben viel mehr genießen. Früher musste ich mir und den Leuten, die mir vertraut haben, etwas beweisen. Inzwischen bin ich gelassener. Die Kinder sind da, mein Mann, meine Laufbahn. Wir führen ein privilegiertes Leben, der Preis ist allerdings hoch, das Leben ist oft anstrengend. Aber wir sind die Herren unseres Lebens. Etwas philosophischer geht es bei August Strindberg zu: „Wenn man 20 ist, hat man das Welträtsel gelöst; mit 30 fängt man an, darüber nachzudenken, und mit 40 findet man es unlösbar.“ EG: Oh! (lacht) Ja, das liegt daran, dass man als junger Mensch unbedingt manches verändern will, dann aber feststellt, dass es nicht geht. Man muss wohl auch zu akzeptieren lernen, dass bestimmte Dinge auch ohne einen weitergehen, dass man nicht unersetzbar ist. Das begreift man erst später. Ich bin sehr froh mit dem, was ich erreicht habe. Obwohl Ihre Mutter, die Mezzosopranistin und Gesangspädagogin Anita Garanča, zunächst nicht an Ihre Opernkarriere glaubte. „Du hast deine Stimme verraucht“, soll sie zu Ihnen gesagt haben … EG: (lacht) Als sie das sagte, war eine Karriere jedenfalls zu Ende: meine Raucherkarriere. Meine Mutter war besorgt, sie wusste, wie viele Jahre es brauchte, bis man die Stimme im Griff hat. Es sind ja nicht nur der Applaus und das schöne Kleid. Sondern tatsächlich harte Arbeit. Meine Eltern wollten eigentlich, dass ich Kulturattachée werde. Dabei hatte meine Mutter früh darauf geachtet, dass wir mit ihrer Welt zusammenkamen. Von Kindesbeinen an war ich im Theater, mit sechs Jahren bin ich in einem Bühnenmärchen als Prinzessin aufgetreten, später kamen Auftritte in Musicals dazu. Einen Teil Ihrer Kindheit verbrachten Sie auch auf dem Bauernhof Ihrer Großmutter. Dort haben Sie den Kühen auf der Wiese kleine Lieder vorgesungen. Wie war die Reaktion? EG: (lacht) Es heißt ja, Kühe geben bei der Musik von Mozart mehr Milch. Ich weiß nicht, ob sie das bei mir taten, (lacht) obwohl Freundinnen von mir sagen, ich sei „die beste singende Melkerin und die beste melkende Sängerin“. Fakt war: Ich brauchte einfach Publikum, schon als kleines Mädchen. Kühe scheinen Ihr Schicksal zu bestimmen: Mit 17 wollten Sie auch Schauspielerin werden. Bei der Aufnahmeprüfung sollten Sie unter anderem eine Kuh auf der Wiese darstellen. EG: (lacht) Und bin durchgefallen! Ich musste also Sängerin werden. Dass es so hart werden wird, hätte ich nicht gedacht. Ich habe mal ein Konzert mit 39,4 Grad Fieber durchgestanden. Die Menschen sollen wissen, wie sehr dieser Beruf einen auch körperlich in Anspruch nimmt. Technisches Können, Disziplin und Kontrolle sind unabdingbar für die Interpretation. Vieles muss erarbeitet werden; die Stimme darf nicht überstrapaziert werden, denn sie ist mein einziges Kapital. Ein weinender Schauspieler ist nicht immer einer, der das Publikum zum Weinen bringt. Es geht nicht darum, dass die Leute mit mir persönlich mitleiden, sondern mit meiner Figur. Die muss ich spielen und das kann ich nur, wenn ich die Kontrolle über meine eigenen Gefühle habe. Deshalb muss man so viel arbeiten. Ich darf mich auch nicht von Stimmungen hinreißen lassen. Das würde mich früher oder später verbrennen. Dann habe ich irgendwann keine Stimme mehr beziehungsweise kann andere Rollen nicht mehr singen. „Ein bisserl oben, ein bisserl in der Mitte und ein bisserl unten“, beschrieb Christa Ludwig Ihre Stimme. EG: (lacht) Ich bin froh, dass ich nicht ständig mit einer Sopranistin aus der Vergangenheit verglichen werde. Das kann ziemlichen Druck ausüben. Historische Mezzos gibt es kaum. Eine Primadonna wird lediglich auf die zehn größten Partien reduziert und mit der Callas oder Tebaldi verglichen. Wir aber haben ein sehr breites Repertoire, von den Hosenrollen bis hin zum lyrischen französischen Repertoire und den dramatischen Wagner-Partien. Hatte die Stimmfarbe Ihrer Mutter eigentlich Ähnlichkeit mit Ihrer? EG: Am Anfang nur die Sprechstimme. Am Telefon hat man uns oft verwechselt, die Jungs haben sie zu Dates eingeladen und bei mir haben Kollegen der Akademie über die Studenten geschimpft. (lacht) Ich habe dann eine Minute zugehört und gesagt: „Wissen Sie, meine Mutter ist nicht zu Hause.“ Dafür kam meine Mutter an und fragte mich: „Ah, mit dem also triffst du dich!“ (lacht) Irgendwann habe ich das Repertoire gewechselt, sie war ja mehr eine Lied-Interpretin. Nach meinen zwei Geburten hat sich meine Stimme verändert. Ich höre mich ähnlich wie meine Mutter phrasieren. Mein Vater sagt, dass er meine CD mit lettischen Komponisten nicht anhören kann, weil sie ihn zu sehr an meine Mutter erinnert. Mit der Aussage, Sie bekämen nur „Hebammen-Rollen“ in Lettland, packten Sie 1999 einen 40 Kilo schweren Koffer und setzten sich in Riga in den Bus in Richtung Meiningen, wo Sie an der Oper einen Vertrag hatten. Hätte Ihre Mutter unter anderen politischen Umständen in Lettland Karriere machen können? EG: Es war eine andere Generation, die ihr Leben geschlossen hinter dem Eisernen Vorhang führte. Meine Mutter ist zwar viel verreist und wurde bejubelt. Aber sie war kein Wanderer, sie wollte immer wieder nach Hause. Ich bin gerne unterwegs, ich mache mir überall ein Zuhause. Als Künstlerin hätte sie mit ihrer Begabung und ihrer Stimme durchaus Karriere machen können, aber sie war nicht hart genug für dieses Leben, das oft sehr einsam ist. Dazu kam eine Knochentuberkulose, die ihr sämtliche Schleimhäute ruinierte. So musste sie eine Gesangslaufbahn aufgeben. Als Pädagogin aber wurde sie sehr glücklich. Auf Ihren ersten Meininger Honorarscheck waren Sie so stolz, dass Sie ihn eingerahmt in Ihrer Wohnung aufgehängt haben. EG: (lacht) Ach, ich war ein Mädchen vom Lande. Ich konnte kein Deutsch und wusste nicht, was ein Scheck ist, ich habe Deutsch in den Trash-Daily-Talks der 90er von Arabella Kiesbauer und Bärbel Schäfer gelernt. Mich hat erstaunt, wie offen Sie über Gagen reden. Warum machen viele Künstler ein Geheimnis daraus? EG: Alle stehen im Wettbewerb, es geht um Status, jedes Haus hat seine Gagenstruktur. Die Agenten wollen diesen Wettbewerb nicht öffentlich diskutieren. Es sollen kein Neid, keine Begehrlichkeiten geweckt werden oder Diskussionen in der Art, warum bekommt „sie“ mehr, „wir singen doch das gleiche Repertoire“ – „du hast aber vielleicht nicht die gleiche Persönlichkeit“ etc. Meine persönliche Interviewerfahrung: Künstler, die hinter dem Eisernen Vorhang aufgewachsen sind, kommen mir direkter und weniger verstellt vor als solche aus dem Westen, die oft politisch korrekt und darauf bedacht sind, nicht das „Falsche“ zu sagen. EG: Ich glaube, das liegt daran, weil wir hier „Ausländer“ sind. Wir leben zwar teilweise hier, kommen aber nicht von hier und haben als „Ausländer“ einen Exoten-Bonus, dürfen eine andere Meinung haben. In unserem Land würden wir anders sprechen. Im Kommunismus musste man ja auch aufpassen … EG: Meine Generation hatte das große Glück, dass sie nicht mehr die Probleme eines Kurt Masur oder Mariss Jansons hatte. Mein Leben konnte ich in der freien Welt aufbauen. In Ihrer Biografie betonen Sie, wie wichtig es für einen Künstler ist, Nein zu sagen. EG: Unbedingt. Das habe ich schon zu Beginn meiner Laufbahn gemacht. Dem sehr mächtigen Opernimpresario der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, sagte ich den ersten Vorstellungstermin ab, weil ich das Gefühl hatte, dass meine Stimme nicht in Topform war. Auch sein Angebot, die Charlotte (Massenet Werther) zu singen, nahm ich zunächst nicht an, weil ich zu dem Zeitpunkt noch Ensemblemitglied in Frankfurt war und Perfektionistin bin. Ich fühlte mich noch nicht so sicher. Die Wiener Staatsoper ist schließlich ein berühmtes Opernhaus. Die Wiener Kritiker und das Publikum sind nicht einfach. Angebote kommen ständig, aber man muss sich darüber im Klaren sein, was man kann, welche Grenzen man hat und wie viel man der eigenen Stimme zumuten kann. Warum fällt es vielen Ihrer Kollegen so schwer, Nein zu sagen? EG: Weil sie nicht die Selbstsicherheit haben, die Stärke, die Reaktion auf eben dieses Nein zu akzeptieren oder zu ertragen. Ich kenne viele, die sich beklagen, ihr Agent treibe sie in eine Richtung, die sie eigentlich nicht wollten. Ich sage meinen Agenten, was ich will und wozu ich mich imstande fühle. Man muss König seines Lebens sein. Viele entscheiden über dein Leben, ohne die Konsequenzen zu bedenken, die eine „falsche“ Rolle für einen Sänger, der stimmlich darauf nicht vorbereitet ist, haben kann. Hat Ihnen dieses offensive Nein je geschadet? EG: Geschadet hat es mir nie. Und wenn, dann habe ich das ja nicht mitbekommen. (lacht) Vielleicht hat mancher über mich gelästert, meine Karriere hat dies nicht beeinflusst. Ich hatte kritische Eltern, die mir beibrachten, selbstkritisch zu sein. Von 50 Aufführungen sind nur wenige wirklich gut. In Paris werden Sie bald erstmals die Santuzza aus Mascagnis Cavalleria rusticana singen. Eine Kostprobe geben Sie auf Ihrer neuen CD „Revive“. EG: Ich bin jetzt 40 geworden, meine Mutter ist gerade verstorben. Ich kann diese Verismo-Partie und andere dramatische Partien wesentlich freier angehen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich vermisse ich meine Mutter täglich, würde ihr so viel erzählen, aber sie war eine sehr starke Persönlichkeit. Ihre Kritik war für meinen Werdegang als Sängerin sehr wichtig, hat mich aber auch eingeschränkt. „Die ersten 40 Jahre unseres Lebens liefern den Text“, schreibt Arthur Schopenhauer, „die folgenden 30 den Kommentar dazu“. EG: (lacht laut) Dann wird es noch einige Interviews geben! Teresa Pieschacón Raphael ELĪNA GARANČA LIVE 01.02.2017: Berlin, Philharmonie 03.02.2017: Baden-Baden, Festspielhaus 05.02.2017: München, Gasteig 08.02.2017: Frankfurt, Alte Oper 14.02.2017: Düsseldorf, Tonhalle „Revive“ Elīna Garanča, Orquestra de la Comunitat Valenciana, Roberto Abbado (DG)



Crescendo

14. November

Revolution und Restauration in Salzburg - Warum Hinterhäuser Festspiel-Programm ein Zeichen der Zeit ist

„Make Salzburg Great again!“ – Markus Hinterhäuser stellt das Programm 2017 vor und entpuppt sich als Obama der Kultur: Mehr Miteinander, mehr Eigenverantwortung, mehr nachdenken. Von Axel Brüggemann Es wird derzeit ja viel über Eliten, verkrustete Strukturen, über Lobbyisten und Systeme debattiert, die nur noch wenig mit dem zu tun haben, was die Menschen bewegt, über Seilschaften, Netzwerke und die Spaltung der Gesellschaft. Das Gute an der Kultur ist, dass sie – wenn sie aktuell ist – jene Welt, in der wir leben, widerspiegelt. Und, ja, es fällt nicht schwer, auch in der Kultur weltfremde Verkrustungen aufzuzeigen. Schaut man sich etwa die Salzburger Festspiele an, haben sie in den letzten Jahren genau jene Gegenwart wiedergespiegelt, gegen die derzeit so viele Sturm laufen: Eine Elite aus Showbusiness, Politik und Gesellschaft gibt sich ein sommerliches Stelldichein, man sieht und wird gesehen, gibt horrendes Geld für Karten aus und erwartet dafür, dass die abendlichen Vorstellungen bitteschön als nette Klangtapete dienen. Es war der Intendant Alexander Pereira, der dafür gesorgt hat, dass einer des spannendsten Festivals an diesen Punkt katapultiert wurde. Sein Salzburg war vor allen Dingen ein Laufsteg für den Intendanten selber, der es offensichtlich genoss, sich mit Prominenz zu umgeben und seine Sponsoren mit jener Kultur zu füttern, die er für geeignet erachtete: Schauspiel, Konzert und Oper, die vor allen Dingen schön sein sollten! Selbst seinem Interims-Nachfolger Sven-Eric Bechtolf war es nicht gelungen, diesen Status Quo zu ändern. Die Konsequenz: das Feuilleton und die interessierten Zuschauer verloren das Interesse an Salzburg. Der Strippenzieher Nun hat „Intendant Elect“, Markus Hinterhäuser, das Programm seiner ersten Salzburger Saison im Sommer 2017 bekannt gegeben (hier alle Veranstaltungen ). Es ist kein Geheimnis: Seit Jahren hat auch er Kultur- und Machtpolitik in den Hinterzimmern betrieben, Politiker und Journalisten in Salzburgs Cafés getroffen und sie darauf eingeschworen, dass die Salzburger Festspiele endlich revolutioniert werden müssten – und dass er der geeignetste Mann für diese Aufgabe sei. Mein Hinterstübchen-Treffen mit ihm fand in Wien statt, in der „China Bar“, in der er mir – bei allerhand Zigaretten und Bier – erklärt hat, was nun nötig wäre. Zunächst hat Hinterhäuser begonnen, über Leonard Cohen zu schwärmen („zu seinen Konzerten würde ich auf den Knien kriechen“), dann hat er durchblicken lassen, dass er das, was damals in Salzburg lief, für Totengräberei hielt und sich schließlich mächtig über den herrschenden „Kulturkonsum“ aufgeregt. „Wenn ein Publikum die ‚Kindertotenlieder’ hört und danach noch in der Lage ist, Champagner zu schlürfen“, regte er sich auf, „dann ist mit der Aufführung irgendetwas schief gelaufen.“ Hinterhäuser will keine Kultur als Soundtrack der Schicki-Mickis, seine Kultur, so erklärte er damals, soll verwirren, Ohren öffnen, schockieren, zum Neudenken herausfordern. Mit anderen Worten: Auch sein Salzburg soll politisch sein, aber nicht als Ort des Inzests, sondern als Location des freien Denkens. Schon vor zwei Jahren sagte er auf Bedenken, ob sein Programm überhaupt durchsetzbar sei – politisch und wirtschaftlich: „Wir leben in einer Welt, in der die Leute vielleicht mehr Fragezeichen vor sich hertragen als manche Politiker und Theatermacher es wahrhaben will. Die Zeit ist reif, daraus Kapital zu schlagen.“ Was er meinte: Die Kultur, die er anbieten will, sollte das Bestehende nicht bestätigen, sondern hinterfragen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Zeit für Hinterhäuser reif war: Zunächst hatte er gegen Pereira verloren, dann verging noch einmal Zeit – nun, endlich, war auch das Salzburger Kuratorium bereit für den Wandel. Gerade noch rechtzeitig. “Make Salzburg great again” Hinterhäuser will „Salzburg great again“ machen, aber dafür setzt er nicht auf radikale Systemänderung, nicht auf despotische Revolution und vor allen Dingen nicht auf Provokations-Populismus. Er ruft eher „Yes, we can!“ und glaubt daran, dass das Festival gemeinsam mit dem Publikum – dem alten und dem neuen – wieder spannend werden kann. Hinterhäuser ist kein dogmatischer Revoluzzer, sondern ein Begeisterer für das Denken. Das hat er bereits als Chef der „Wiener Festwochen“ durchblicken lassen. Und genau davon erzählt auch sein neues Programm in Salzburg. Hinterhäuser gibt dem Establishment durchaus Zucker: „Aida“ mit Netrebko unter Leitung von Riccardo Muti – das hätte auch in den letzten Jahren auf dem Programm stehen können. Dafür muss sich das Publikum heuer aber mit der Lesart der iranischstämmigen US-Amerikanerin Shirin Neshat auseinandersetzen. Die Videokünstlerin kannte Verdis Oper nicht, als Hinterhäuser sie anfragte – aber sie war begeistert, Regie führen zu dürfen. Man darf eine vollkommen neue Lesart erwarten. Ähnlich publikumswirksam dürfte Domingos Auftritt in „I due Foscari“ sein. Aber dafür bietet Hinterhäuser dann eben auch Moderne für Herz und Hirn an. Er hat verstanden, dass Opern wie „Lady Macbeth von Mzensk“ (Regie: Andreas Kriegenburg, Dirigent: Mariss Jansons), „Wozzeck“ (William Kentridge und Vladimir Jurowski) oder „Lear“ von Reimann (Simon Stone, Franz Welser-Möst) längst Klassiker sind. Dass es durchaus ein Publikum gibt, das keine Angst mehr vor der Moderne hat. Also stellt er mit diesen Opern Stücke auf das Programm, die das Potenzial zur Verstörung haben, aber dabei immer auch an den sinnlichen Impuls appellieren. Ähnlich ist sein Schwerpunkt zu 450 Jahre Monteverdi aufgebaut: John Eliot Gardiner wurde beauftragt, die Modernität des Alten unter Beweis zu stellen. Hinterhäuser versteht es, das Entdecken zu einem Lustgewinn zu machen. Und das tut er auch bei den geladenen Künstlern: Klar, Theodor Currentzis für „Le clamenza di Tito“ einzuladen, ist vielleicht nicht besonders mutig, sondern eher ein sicherer Erfolg – aber es wird ein Mozart-Neulesen in Salzburg geben. Ähnlich mit den Orchestern, Dirigenten und Virtuosen, die Hinterhäuser für die Konzerte einlädt: Neben den Wiener Philharmonikern bekommt Currentzis’ „musicAeterna“ einen großen Raum, um seine Arbeit an Mozart zu untermauern, die Berliner Philharmoniker werden kommen und Pittsburgh. Beim Nachwuchs setzt Hinterhäuser zum Glück nicht länger auf Dudamels Venezuela-Propaganda mit dem „Simon Bolivar Jugendorchester“, sondern auf musikalisch glaubhaftere Ensembles wie das Gustav Mahler Jugendorchester (mit Metzmacher) und das West-Eastern Divan Orchestra (mit Barenboim). Ähnlich abwechslungsreich seine Solisten-Riege. Neben Anne Sophie Mutter (der Klassik-Klassikerin) hat Pianist Hinterhäuser folgende Klavier-Kollegen eingeladen: Schiff, Sokolov, Kissin, Levit, Uchida, Argerich und Pollini – das ist zum Teil bewährt, zum Teil spannend, zum Teil auch ein bisschen anbiedernd. Schade, dass Hinterhäuser nicht über seiner kleinen Fehde mit Rudolf Buchbinder steht und den Salzburger Publikumsliebling heuer nicht eingeladen hat – so hätte er ein Zeichen für Versöhnung setzen können. Dennoch: Hinterhäuser lädt wieder Klasse ein, echte Könner – Musiker, die Musik mit Denken verbinden und nicht mit purem Entertainment. Mitnehmen statt spalten Tatsächlich scheint es dem neuen Intendanten zu gelingen, Salzburg zwar nicht neu zu erfinden, sondern innerhalb der Konventionen an neue Grenzen zu führen. Und damit könnte sein Verständnis von Kultur durchaus auch als Modell für die wirklich wahre Welt dienen: Mitnehmen statt spalten, ernst nehmen statt lächerlich machen, besser machen statt meckern. Hinterhäuser gelingt es in seinem ersten Programm, das Stammbublikum nicht zu düpieren, es mitzunehmen. Anders als einst Gérard Mortier – der den Krieg gegen den Klunker geführt hat – verspricht Hinterhäusers Programm etwas Anderes: Die Vereinigung des Alten mit dem Neuen, das Mitnehmen aller, die auch nur das geringste Interesse an einer Kultur haben, die nicht allein als Tapete, sondern auch zum eigenen Denken anregt – ein Programm jenseits der Ideologie, in dem die Musik und die Könnerschaft die Hauptrolle spielt. Hinterhäuser geht es in seinem ersten Programm nicht um die pure Provokation, sondern um die Begeisterung, darum, Salzburg wieder spannend und etwas unvorhersehbarer zu machen, zu einem Ort, an dem die Tradition auf die Erneuerung trifft – und um dauernden Diskurs. Allein damit ist schon viel geschafft: Salzburg entblättert die Goldfolie und mischt die olle Mozart-Schokolade seiner Musik-Kugeln mit exotischen Gewürzen. Verstörend ist das nicht – spannend ist das allemal

Klassische Musik und Oper von Classissima



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